Windkraftprojekt der Stadtwerke wird nicht weiter verfolgt

Der Gemeinderat der Stadt Bad Waldsee hat in seiner Sitzung am 01.10.2012 die Gründung der Stadtwerke Bad Waldsee GmbH beschlossen mit der Zielsetzung, die bestehenden Potentiale Erneuerbarer Energien in Bad Waldsee zu nutzen.

Für das Projekt „Windpark Bad Waldsee“ haben wir uns mit der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW), der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) und der Thüga Energie GmbH (thüga) erfahrene Partner gesucht. Die Projektentwicklung wurde dem erfahrenen Planungsteam des AÜW übertragen.

Als planungsrechtliche Grundlage für den Windpark Bad Waldsee dient der Regionalplan Bodensee-Oberschwaben (Teilregionalplan Windenergie 2006). Hier ist der Bereich des geplanten Windparkstandorts, der Höhenzug zwischen Bad Waldsee und Haisterkirch, als potenzielles Vorranggebiet für regional bedeutsame Windenergieanlagen ausgewiesen.

Die Stadtwerke Bad Waldsee und ihre Partner planten deshalb auf dem Höhenrücken zwischen Bad Waldsee und Haisterkirch bis zu sechs Windkraftanlagen zu errichten.

Windmessungen:

Für die Untersuchung der Windhöffigkeit wurden auf diesem Standort umfangreiche Windmessungen durchgeführt. Erster Schritt war dabei eine 3-monatige LIDAR-Messung, um erste Einschätzungen über die Windhöffigkeit zu erhalten. Die Ergebnisse waren vielversprechend. Es folgte die Ermittlung der Windverhältnisse mittels eines Windmessmastes von 23.03.2016 bis 13.04.2017.

Die Ergebnisse der abgeschlossenen Windmessungen bestätigen die Annahmen des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben als regional bedeutsamen Standort für Windenergieanlagen. Danach würden sich auch in Oberschwaben Windkraftanlagen umsetzen lassen.

Artenschutzrechtliche Bewertung:

Parallel zu den Windmessungen wurden umfangreiche artenschutzrechtliche Untersuchungen durch Fachgutachter durchgeführt.

Kartierung der Fledermäuse 2016

In Abstimmung mit dem Landratsamt Ravensburg wurde ein unabhängiger Gutachter beauftragt, die Fledermäusvorkommen am geplanten Standort zu untersuchen. Der artenschutzrechtliche Sachstand wurde gemäß den Vorgaben des Leitfadens Baden-Württemberg „Hinweis zur Untersuchung von Fledermäusen bei Bauleitplanung und Genehmigung für Windenergieanlagen“ ab August 2015 erhoben.

Ergebnis:        Der Betrieb der Anlagen wäre aus artenschutzrechtlicher Sicht mit den Fledermäusen vereinbar gewesen.

Avifaunistisches Gutachten:

Das avifaunistische Gutachten umfasst umfangreiche Untersuchungen zur Gesamtheit aller in der Region vorkommenden Vogelarten, so beispielsweise zu den Rastvögeln, dem Vogelzug und zu den Großvögeln sowie Maßnahmen zum Schutz potenziell gefährdeter Arten.

Für das avifaunistische Gutachten wurde in Abstimmung mit dem Landratsamt Ravensburg ein externer Gutachter beauftragt.

Im Rahmen des avifaunistischen Gutachtens wurden 2015 und 2016 umfangreiche Untersuchungen und Kartierungen durchgeführt. So nahm der Gutachter zur Erfassung der Rastvögel zwölf Termine im Herbst 2015 und weitere Zwölf im Frühjahr 2016 wahr. Zur Erfassung des Vogelzugs führte ihn sein Weg im Herbst 2015 neunmal nach Bad Waldsee. Erkenntnisse über die Brutvögel holte er an 13 Terminen von Frühjahr bis Sommer 2016 ein. Der Raumnutzungsanalyse der Großvögel (Flugkorridore und Nahrungshabitate) widmete er sich an 18 Terminen von Frühjahr bis Sommer 2016.

Zwischenergebnis:     Die Erkenntnisse aus den Kartierungen 2015/2016 über die Horste und Brutreviere des Rotmilans führten dazu, dass die geplanten 6 Windenergieanlagen auf 4 Anlagen reduziert wurden.

Um die Planungssicherheit für das Projekt zu erhöhen, wurde der Fachgutachter im folgenden Jahr beauftragt, die Kartierung der relevanten Vogelarten sowie die Untersuchungen fortzusetzen. Bereits im März 2017 begann der Gutachter mit seinen Kartierungen und Kontrollen. Ziel war es, zu prüfen, ob die Situation auf dem Höhenzug zwischen Bad Waldsee und Haisterkirch noch die gleiche ist wie in den Jahren zuvor. Hierfür war er 24-mal vor Ort.

Als Ergebnis dieser Untersuchungen könnte aktuell nur eine einzige Windenergieanlage weiter verfolgt werden. Alle weiteren Anlagen würden innerhalb eines 1000 m Radius um einen Rotmilanrevieren liegen und sind daher aus naturschutzrechtlichen Gründen in Baden-Württemberg auszuschließen.

Wirtschaftlichkeit:

Im Laufe des Projektes wurde die Wirtschaftlichkeit der geplanten Windenergieanlagen ständig überprüft.

Die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit bei nur einem verbliebenen Standort ergab, insbesondere nach der deutlich reduzierten Einspeisevergütung zum Herbst diesen Jahres, kein wirtschaftlich befriedigendes Ergebnis für alle Beteiligten.

Zur Erklärung:

Einspeisevergütung:

Seit Januar 2017 wird die Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien nicht wie bisher staatlich festgelegt, sondern mittels Ausschreibungen ermittelt. Voraussetzung für die Teilnahme am Ausschreibungsverfahren wäre für die Stadtwerke und ihre Partner die  Erteilung einer bundesimmissionsschutzrechtlichen Genehmigung.

2017 fanden bereits zwei Ausschreibungsrunden statt (Stichtag 01.05.17 und Stichtag 01.08.2017).

Im Rahmen des Windkraftprojektes Bad Waldsee wurden die Ausschreibungsergebnisse verfolgt. Die Erkenntnisse bzgl. des Zuschlagswertes flossen in die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage ein.

Ergebnis:

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat entschieden, das Windkraftprojekt aus wirtschaftlichen Gründen aktuell nicht weiter zu verfolgen.

Die Projektpartner Thüga, EnBW und AÜW stehen hinter dieser Entscheidung. Der Gemeinderat der Stadt Bad Waldsee wurde über den Stand des Projektes sowie die Entscheidung des Aufsichtsrats informiert.

Es wurde vereinbart, die einzelnen Gutachten, die noch in Arbeit waren, nicht fertigzustellen, um im Hinblick auf diese Erkenntnislage keine weiteren Kosten zu verursachen.