Geothermie

Durch die Erschließung der tiefen Geothermie können alle städtischen Einrichtungen in der Kernstadt sowie weitere private und gewerbliche Abnehmer mit Nahwärme versorgt werden.

Die Stadtwerke planen eine Wärmeversorgungsleistung von ca. 23.000 MWhth (ca.11,50 MWth Anschlussleistung bei 2.000 Vollbetriebsstunden p.a.). Dies entspricht ca. 10 % des Gesamtwärmebedarfs im Stadtgebiet von Bad Waldsee.

Von den berechneten 23.000 MWhth würden allein die städtischen Einrichtungen in der Kernstadt (ohne Ortschaften) bis zu 50 % in Anspruch nehmen. Dies bedeutet, dass zunächst ca. 5 % der benötigten Gesamtwärmemenge im Stadtgebiet von Bad Waldsee über die Geothermie versorgt werden können. Diese Wärmeversorgung bringt für die Kunden wichtige Vorteile, wie insbesondere:

  • Keine eigenen Anlagen im Gebäude
  • Langfristig kalkulierbare und moderate Preissteigerungen
  • kein Wirkungsgradverlust
  • nachhaltige Wärmeversorgung
Erdwärme - Geysir

Wärme aus der Tiefe Oberschwabens

Oberschwaben als Teil des voralpinen Süddeutschen Molassebeckens ist eine der Regionen mit hohen Temperaturgradienten, d.h. die oberen Gesteinsschichten speichern geothermisch nutzbare Energie. Das geothermische Potential des alpinen Vorlandes besteht insbesondere aus hydrothermalen Ressourcen, bei denen die Energie in Form von Wärme aus tiefen Thermalwasser führenden Strukturen, sog. Aquiferen, ohne aufwändige Beeinflussung der Gebirgsstrukturen gewonnen werden kann.

Der Erfolg von hydrothermalen Projekten hängt von der Thermalwassertemperatur und der Fließrate ab. Die zu erwartende Temperatur kann aufgrund der Daten aus den beiden Thermalwasserbohrungen in Bad Waldsee gut abgeschätzt werden. Das Ertragspotenzial der hydrothermalen Systeme wird im Wesentlichen bestimmt durch die Durchlässigkeit des Aquifers und Störungssysteme, die die Fließwege des Thermalwassers und die mögliche Abgrenzung des Aquifersystems definieren. Um diese Gebirgseigenschaften möglichst genau beschreiben zu können, lassen wir auf der Grundlage aufwändig ausgewählter und geprüfter Bohr- und Seismikdaten, die bei Explorationsarbeiten der Kohlenwasserstoff-Industrie in den vergangenen Jahrzehnten gewonnen wurden, ein möglichst detailliertes geologisches Modell des Aufsuchungsfeldes erstellen.

Unser Projekt soll mit erwarteten Temperaturen des Thermalwassers über 75 °C realisiert werden. Da in der oberschwäbischen Molasse pro 100 Meter Bohrtiefe die Temperatur um 3 bis 4 Grad Celsius zunimmt, müssen dafür Bohrtiefen von ca. 2.000m erreicht werden. Aus diesen Tiefen kann über einen Tiefbrunnen bzw. eine Tiefbohrung („Förderbohrung“) mittels einer Pumpe Thermalwasser gefördert werden. Diesem warmen Thermalwasser wird obertägig in einem sogenannten Wärmetauscher die Wärme zur Nutzung entzogen. Das abgekühlte Thermalwasser wird über eine zweite Tiefbohrung („Injektionsbohrung“) in die gleiche geologische Formation zurückgeführt aus der es ursprünglich stammt. Das Thermalwasser wird an keiner Stelle des Kreislaufes entnommen: der Thermalwasserkreislauf ist ein geschlossenes und ausgeglichenes System. Förder- und Injektionsbohrung zusammen werden als „geothermische Dublette“ bezeichnet. Dabei ist die Wärmeentnahme im Vergleich zum vorhandenen geothermischen Potential gering.

Die entzogene Wärme wird in das neu zu errichtende Wärmenetz eingespeist und in der ersten Ausbaustufe vorrangig zur Wärmeversorgung kommunaler Gebäude und Einrichtungen genutzt werden. Über eine weitere Ausbaustufe sollen über das Wärmenetz industrielle Verbraucher, Gewerbebetriebe und Wohnbebauungen versorgt werden.

Beispiel eines Bohrturmes (Bohrgrundstück der „Erdwärme Grünwald GmbH“ (EWG) nahe dem Weiler Laufzorn auf Oberhachinger Gemarkung, Bayern)

Die Erlaubniskarte

Bohrgrundstück der „Erdwärme Grünwald GmbH“ (EWG) nahe dem Weiler Laufzorn auf Oberhachinger Gemarkung, Bayern.

Innerhalb dieser Fläche ist eine Gewinnung von Erdwärme möglich.